Sinnlichkeit bei Brustkrebs

Aktualisiert: 12. Mai

Ich habe während meiner Krebserkrankung nicht nur meine Sinnlichkeit verloren.

Viel schlimmer noch, ich habe mein Selbstbewusstsein und mich verloren.


Alles wurde noch getoppt, als man mir die Brust amputierte und nur noch ein flaches etwas mit Narben übrig blieb.


Und dann meine Haare!

Aus langen Haaren wurde eine Glatze!

Mein Gesicht und mein Körper aufgequollen von den hohen Cortisongaben.

Wo sollte da noch Raum für Selbstvertrauen, Sinnlichkeit, Sexualität und Reiz für mich und den Partner sein?

Ich schämte mich für das was ich war! Es war schrecklich. Meine Haltung wurde immer gebeugter.


Jegliches Licht in mir brannte nur noch auf Sparflamme. Ich funktionierte, thats it!


Die Fragen die ich mir stellte, waren, ob es das nun war?

War das alles, was übrig blieb aus dieser Krebsgeschichte?

Für eine Zeit lang schon. Hätte ich den Blickwinkel verändern können, wäre es mir vielleicht möglich gewesen mit dieser Situation anders umzugehen.

Aber dazu gehört eben auch ein Partner, der ebenfalls die Situation so annimmt und nicht nur das Äußere sieht, sondern den Menschen, der man war und tief im Innern geblieben ist.


Redet miteinander über Eure Gedanken, Gefühle, Befürchtungen und Wünsche.

Sexualität, Streicheleinheiten und Zuneigung sind so wichtig und gut für unseren Heilungsweg.

Für beide Seiten ist das eine Herausforderung, definitiv!

Ich hätte mir gewünscht, dass wir die Mögichkeit genutzt hätten uns neu zu begeben.


Der Weg änderte sich erst, als ich mich neu zu lieben begann.

Bis ich akzeptierte, dass ich mehr bin, als meine Hülle.

Dass Sinnlichkeit und Sexualität dennoch gelebt werden kann,

man das ausstrahlt,

lebt,

tief in den Augen zu sehen ist.

Es war einer meiner glücklichsten Momente das zu spüren.


Aber auch das genügte mir irgendwann nicht mehr.

Ich wollte mehr! Was mir das Leben übrig lies, versuchte ich aus ihm rauszuholen.

Bis ich mit viel Arbeit, Disziplin und viel Geduld meinen Körper wieder so formte, dass ich mich gut darin fühlte.

Bis all die Medikamente wieder aus meinen Zellen waren und das dauerte Jahre. Ich übte Behutsamkeit. Ich übte mich zu lieben und zu schätzen, mich so zu akzeptieren wie ich war und lobte mich bzw. meinen Körper für diese Leistung.

Dazu gehörten rekonstruktive Operationen, über die ich mir im klaren war, welche zusätzliche Belastung sie sein können. Mir war es das wert. Ich brauchte es!

Nachdem ich 2,5 Jahre mit nur einer Brust lebte, brauchte ich es und es war ebenso ein Zeichen dafür, dass meine Vertrauen in das Leben wieder wuchs.

Ich trainierte und passte meine Ernährung an, bis ich mich wieder vollständiger fühlte und schließlich meine Narben akzeptierte und lernte zu lieben.

Schwer war das! Zweifle ohne.


Mein Körper ist nicht mehr makellos, aber er erzählt eine Geschichte.

Es ist eine Geschichte des Überlebens und den unbändigen Willen wieder zu einer vollständigen Frau zu werden.

...und psst, ganz tief in mir, wünschte ich mir die Unversehrtheit doch...

Ihr Frauen mit Brustkrebs oder anderen Themen, die Euch Eure Weiblichkeit drohen zu nehmen, möchte ich sagen, Ihr seid noch immer die wundervolle und schöne Frau, die ihr ward.

Schließt Eure Augen und fühlt Euch und nicht das was eine Krankheit, eine Situation, Narben oder auch Menschen mit Euch machen. Bleibt bei euch.

Lebt Eure Weiblichkeit- teilt Eure Bedürfnisse- seid mutig!

Ich wünsche Euch, dass ihr euch fühlen könnt.

Ich wünsche Euch, dass ihr eure Schönheit sehen und leben könnt.




153 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen